Übertheraphie - Man muss viel wissen, um wenig zu tun

 

Die WIT-2018 werden unter dem Leitthema "Übertherapie – Man muss viel wissen, um wenig zu tun“ stehen und damit ein grundsätzliches Problem der modernen Medizin und insbesondere auch der Intensivmedizin diskutieren. Die Ursachen für die Übertherapie sind vielfältig, betreffen die Psychologie des Machens (tun ist leichter als nichts tun, Nichtstun wird als Scheitern gesehen), Unsicherheit, Unwissenheit, Festhalten an überholten Dogmen, Mangel an Informationen im individuellen Fall, die Angst vor dem Richter, und nicht zuletzt auch finanzielle Interessen, vor

allem von Institutionen.

 

Übertherapie zieht sich durch alle Bereiche der Intensivmedizin. Sie kann schon am Notfallort beginnen, betrifft die (ungerechtfertige) Aufnahme auf die Intensivstation, Überdiagnostik, eine

überhöhte Invasivität oder den inadäquaten Einsatz maschineller Verfahren. Sie manifestiert sich an einem Übermaß an Sedierung, Volumengabe, Kreislauftherapie, an Blutprodukten und medikamentösen Maßnahmen. Übertherapie betrifft aber insbesondere auch das Lebensende, wenn ein kuratives Therapieziel nicht mehr erreicht werden kann.

 

Übertherapie hat wesentliche ethische Implikationen, missachtet die Würde und Integrität der Patienten, steigert Schmerz, Leid, verlängert Sterben, führt zu Frustrationen im Team, vermehrt das Leid von Angehörigen, missachtet Verteilungsgerechtigkeit und schädigt bei prinzipiell limitieren Ressourcen die Gesellschaft insgesamt. Sie ist auch ein rechtliches Problem geworden und kann als Verursachung ungerechtfertigten Leides juridisch geahndet werden.